Weisungen kommunizieren: Direkter vs. Indirekter Stil 

Chef 1 an Assistenz: „Achtung Prio, alles fallen lassen: Diese Bestellung sofort rausschicken. MUSS unbedingt vor Mittag bei unserem Zulieferer vorliegen. Vollzug melden. Go!“

Chef 2 an Assistenz: „Ich hetze Sie ungern, aber wäre es möglich, dass Sie sich jetzt gleich um diese Bestellung kümmern? Das wäre prima. Sie würden mir einen großen Gefallen tun, wenn Sie sie unserem Zulieferer noch vor Mittag schicken könnten.“

Zwei Chefs, eine Anweisung, verschiedene Tonarten. Seit Mitarbeiter nicht mehr angekettet im Bauch von Schiffen gehalten werden dürfen, machen Führungskräfte sich Gedanken über ihre Kommunikation. Meist lässt die Form, wie Anweisungen und Strategien kommuniziert werden, Rückschlüsse auf den Führungsstil zu. Viele schließen davon direkt weiter auf die Ergebnisse. Der indirekte Stil wird oft mit mangelndem Durchsetzungsvermögen assoziiert, mit Unsicherheit und sogar Führungsschwäche. Der direkte Stil gilt als Aushängeschild der High Performer: keine Zeit für Geschwafel.

Direkter vs. Indirekter Stil ist ein Business Battle, das noch längst nicht entschieden ist. Und wohl auch nie entschieden werden wird. Denn beide sind genau das: unterschiedliche Stile, die sich im Kommunikationsverhalten einer Führungskraft manifestieren – nicht in den Ergebnissen.

Oberflächlich betrachtet liegt die Vermutung nahe, dass ein direkter Stil eher für Klarheit sorgt. Doch er kann, je nach Adressat, auch genau das Gegenteil bewirken. Ein sensibler Mitarbeiter wird sich von einem Chef, der sehr direkt kommuniziert, vielleicht gegängelt oder missachtet fühlen und diese Empfindung in die Zusammenarbeit hineintragen. Er wird sich dann vielleicht eher Anweisungen widersetzen oder empfindlicher auf Kritik reagieren. Alles nicht effizient.

Zu indirekter Kommunikation neigen Führungskräfte, die auch am Arbeitsplatz großen Wert auf die Beziehungsebene legen. Das mag ineffizient klingen, kann je nach Gesprächspartner allerdings auch genau die richtigen Knöpfe drücken: Die Beziehungsebene entscheidet in jedem Gespräch darüber, was auf der Sachebene überhaupt möglich ist.

Weder der eine noch der andere Stil ist per se wirksamer als der andere. Schon gar nicht ‚stärker‘ oder ‚schwächer‘. „Die einzige Schlussfolgerung, die man ziehen sollte, ist, dass Sprechweisen keinen eindeutigen Hinweis auf innerpsychische Zustände wie Unsicherheit oder mangelndes Selbstvertrauen liefern“, hat die Kommunikationspsychologin Deborah Tannen bei ihren Untersuchungen unterschiedlicher Gesprächsstile festgestellt.

Die Wirksamkeit eines Stils hängt letztlich davon ab, wie beide Gesprächspartner aufeinander eingehen. Eine Beziehung, die von beiderseitigem Respekt geprägt ist, büßt durch indirekte Kommunikation nichts von ihrer Klarheit ein – und durch direkte genauso wenig. Die Frage lautet nicht ‚direkt‘ oder ‚indirekt‘, und die Antwort kann nicht sein dich zu verbiegen. Sondern zu klären: Was passt zu dir? Dann wird deine Kommunikation stimmig, und deine Weisungen werden gehört.


René Borbonus

René Borbonus ist Trainer, Buchautor und Vortragsredner und zählt zu den gefragtesten Experten für professionelle Kommunikation im deutschsprachigen Raum. Er ist einer der meist gebuchten Redner zu seinen Themen Rhetorik und Kommunikation.

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